Weiterbildung zum Discounttarif?

10. June 2009 | Von Achim Broß | Kategorie: Lebenslanges lernen, Weiterbildung

[folgender Text stammt mit freundlicher Genehmigung aus dem Newsletter ".info netzwerk-Weiterbildung"]

Gute Arbeit – Gute Weiterbildung. Unter diesem Titel veranstaltete die AG Bildung und Forschung der SPD-Bundestagsfraktion am 3. Juni einen Workshop, der sich mit den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Weiterbildung befasste. Dabei wurde klar, dass es eine qualitativ hochwertige Weiterbildung nicht zum Discounttarif geben kann.

“Wenn man das Ziel des lebenslangen Lernens und einer qualitativen systematischen Weiterbildung ernst nimmt, dann kann dies so nicht bleiben. Die SPD-Bundestagsfraktion unterstützt die Gewerkschaften in ihren tariflichen Bemühungen um einheitliche Rahmenbedingungen für die Weiterbildnerinnen und Weiterbildner, die eine hinreichende Vergütung und soziale Absicherung und so auch eine qualitative Weiterbildung sicherstellen. Wenn und wo nötig wollen wir notfalls mit zusätzlichen gesetzlichen Maßnahmen einen notwendigen Mindeststandard sichern. Denn eine gute, qualitative Weiterbildung kann es nicht zum Discounttarif geben”, so die SPD in ihrer Presseerklärung zum Workshop.

Der Antrag zur Allgemeinverbindlichkeit des Branchentarifvertrag Weiterbildung ist inzwischen beim Arbeitsministerium gestellt worden. Die AG Bildung und Forschung erwartet die rasche Allgemeinverbindlichkeitserklärung des Branchentarifvertrags in der Weiterbildung, um weiteres Lohndumping im Förderbereich der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu verhindern.

Bei der im Bereich der durch die BA geförderten Weiterbildung weist der aktuelle Trend weiter steigende Teilnehmerzahlen aus. Die durchschnittliche Teilnehmerzahl bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung lag im Mai 2009 bei 198.643 TeilnehmerInnen. Das sind 40,3% mehr als im Monat Mai 2008. Inwieweit diese Zahlen eine wirkliche Trendwende in der Förderpolitik der BA andeuten oder der möglichen Nutzung von Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der Kurzarbeit geschuldet sind, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Zwar rufen Kammern, Unternehmerverbände, Gewerkschaften und die BA dazu auf, Kurzarbeit für die betriebliche Weiterbildung zu nutzen. In welchem Rahmen und mit welchen Maßnahmen dies geschieht, ist nicht bekannt.

Das zweite Halbjahr 2009 wird zeigen, ob die positive Entwicklung der Vorwahlzeit geschuldet ist und im Herbst wie alle Blumen verblühen wird oder ob dem Aufruf zum Lebenslangen Lernen endlich auch Taten der politisch Verantwortlichen im Lande folgen werden. Denn für gute Arbeitsbedingungen und für gute Weiterbildung zu streiten, darf nicht auf Wahlkampfzeiten beschränkt bleiben.

Weitere Themen:

1. Der Deutsche Qualifikationsrahmen (Link)
2. Ältere und KMU – eine brisante Mischung für betriebliche Weiterbildung (Link)
3. Neue ESF-Sozialpartner-Richtlinie stärkt der beruflichen Weiterbildung den Rücken (Link)

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