Fremdsprachenunterricht: Alles neu, oder was?
29. April 2009 | Von Achim Broß | Kategorie: Top-ThemaViele Erwachsene denken heutzutage mit Schaudern zurück an den Fremdsprachenunterricht in der Schule. Monotones Wiederholen der immergleichen Vokabeln, ständige Korrekturen durch den Lehrer und Texte fernab der realen Welt ließen Englisch, Französisch & Co zu einem Hassfach für viele Schüler werden. Seit wenigen Jahren hat aber im Bereich des Fremdsprachenunterrichts ein Wechsel stattgefunden. Dahinter steckt der „Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen“. Was ist das? Und wie sieht moderner Fremdsprachenunterricht hetzutage aus?
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) ist ein Dokument des Europarats. Wie der Name schon sagt, werden in diesem Text Vorschläge gemacht, wie moderner Fremdsprachenunterricht aussehen könnte. Dazu sollen insbesondere der Vergleich zwischen verschiedenen Sprachen erleichtert und die kommunikativen Kompetenzen der Lernenden gefördert werden.
Der GER definiert hierfür sechs verschiedene Leistungsstufen vom Anfänger bis zum Experten, die nach steigenden Fähigkeiten mit A1, A2, B1, B2, C1 und C2 bezeichnet werden. Statt wie früher noch den Leistungsstand der Schüler dadurch zu beschreiben, dass man sagt was sie noch nicht können, verwendet der GER den umgekehrten Ansatz: Die Schüler werden eingestuft auf Basis dessen, was sie bereits können. Damit wird der klassische Ansatz umgekehrt.
Doch damit noch nicht genug: Der GER lädt ausdrücklich dazu ein, die Kenntnisse in einer Fremdsprache – und seien sie noch so gering – auszunutzen, wenn eine weitere Fremdsprache gelernt wird. So ist es beispielsweise für einen Sprecher des Französischen oder Spanischen schon sehr leicht, eine italienische Tageszeitung zumindest in den Grundzügen zu verstehen, ohne auch nur einmal ein einziges Wort Italienisch gelernt zu haben.
Damit stellt sich der GER ausdrücklich in die Tradition der Mehrsprachigkeit, die für die Sprachpolitik der Europäischen Union charakteristisch ist. Die sogenannte Lissabon-Strategie hat dabei festgelegt, dass jeder Bürger Europas mindestens zwei Fremdsprachen sprechen und verstehen kann. Natürlich soll nach der Schule nach lange nicht Schluss sein mit dem Sprachenlernen – im Gegenteil. Ein weiteres Schlagwort lautet nämlich „Lebenslanges Lernen“. Ohne Frage eine Gelegenheit für die heutigen Erwachsenen, ihr Urteil von früher zu revidieren – oder?
Nur wer als Kind schon mit Fremdsprachen konfrontiert wurde, lernt als Erwachsener weiter. Für alle Sprachtrainer unter uns ist es eine Chance sich zu profilieren und den eigenen Unterricht nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen auszurichten. Noch sind viele Pioniere die das tun und haben eine kostenloses Werbebotschaft.
Sehe ich auch so. Und der Vorteil besteht darin, dass sich für verschiedene Fremdsprachen zwar der Inhalt ändert – Vokabular, Grammatik, etc. – aber der Rahmen zur Bewertung und zum Umgang gleich bleibt.