Weiterbildung in der Krise

8. April 2009 | Von Achim Broß | Kategorie: Top-Thema, Weiterbildung

[folgender Text stammt mit freundlicher Genehmigung aus dem Newsletter ".info netzwerk-Weiterbildung"]

Weiterbildung in Zeiten der Krise – bieten sich hier mehr Chancen oder Risiken für die Weiterbildung? Einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Mit dem Konjunkturpaket II sollen die Betriebe angehalten werden, Zeiten der Kurzarbeit für die berufliche Qualifikation ihrer Beschäftigten zu nutzen.

Doch wie so häufig liegt der Teufel im Detail. Die ersten Probleme sind bereits sichtbar.

Weiterbildung benötigt Zeit. Es hilft wenig, kurzzeitig eine Maßnahme zu beginnen, die dann wieder abgebrochen wird. Aber wie lange dauert die Kurzarbeit und wie lange darf dementsprechend die Weiterbildung dauern? Wer als Träger Angebote machen soll, muss wissen, welchen zeitlichen Rahmen die Maßnahme haben darf und haben soll. Wie eine solche Planung im Zusammenhang mit einer zeitlich nicht festlegbaren Kurzarbeitsphase zusammengehen soll, kann bisher niemand beantworten.

Anbieten kann nur, wer nach der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV) zertifiziert ist. Das betrifft nur die Träger, die bisher für die Bundesagentur für Arbeit (BA) Maßnahmen im Rahmen der Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) auf der Basis von Bildungsgutscheinen angeboten haben. Alle anderen müssten sich erst einmal neu zertifizieren lassen, bevor sie Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket II anbieten könnten. Trotzdem soll natürlich alles sehr schnell gehen.

Das wäre alles nicht so tragisch, wenn sich die Weiterbildungsträger langfristig auf ein größeres Auftragsvolumen der BA einstellen könnten. Doch damit wird es wohl nichts werden. In einem Interview der Wirtschaftswoche vom 20.02.2009 erklaert Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der BA:  “Die Debatte über den Fachkräftemangel war nicht immer qualifiziert. Jetzt kann jeder mithelfen, Vorsorge zu treiben und weiterzubilden – sogar auf staatliche Kosten. Das ist ein einmaliges Angebot.” Und wenn die Kurzarbeitsphase vorbei ist, reduziert die BA die Ausgaben für die berufliche Weiterbildung wieder auf das bekannt niedrige Niveau. Der Aufbau neuer Kapazitäten oder gar die Entwicklung neuer Angebote könnte sich für die Weiterbildungsträger betriebswirtschaftlich gar nicht lohnen. Wie unter diesen Voraussetzungen ein sinnvolles, auf die Beschäftigten und Betriebe zugeschnittenes Weiterbildungsangebot entwickelt werden soll, bleibt abzuwarten.

Eine Schlussfolgerung laesst sich jetzt schon ziehen. Wenn sich die Politik in der Zukunft wieder über vergebliche Ausgaben für die berufliche Weiterbildung bei der BA aufregen sollte, dann kann bereits heute gesagt werden: Die Politik hat die Rahmenbedingungen für das Angebot geschaffen. Die Bildungsträger reagieren nur darauf, und wenn sie betriebswirtschaftlich sinnvoll reagieren, dann kann bildungspolitisch nicht viel dabei herauskommen. Ein EDV-Kurs hier, ein Englisch-Kurs da, der bereits AZWV zertifiziert ist. Das einmalige Angebot ist in der vorliegenden Form untauglich, um “Vorsorge zu treiben und weiterzubilden”. Dafür sind die von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen verantwortlich, nicht die Träger.

Weitere Links:
1. Lernorte – Flucht aus der Anstalt
2. Betriebliche und berufliche Weiterbildung fuer Bildungsferne in Hessen
3. Deutscher Qualifikationsrahmen fuer Lebenslanges Lernen

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