Weiterbildung: Die Krise als Chance?

4. February 2009 | Von Achim Broß | Kategorie: Top-Thema, Weiterbildung

[folgender Text stammt mit freundlicher Genehmigung aus dem Newsletter ".info netzwerk-Weiterbildung"]

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Mitten in der Wirtschaftskrise scheinen Politik und Bundesagentur für Arbeit (BA) die Weiterbildung entdeckt zu haben. So sollen Kurzarbeiter die Zeiten der Nichtbeschäftigung für ihre berufliche Qualifizierung nutzen. In einem “Pakt für Beschäftigung und Stabilität in Deutschland” sollen zusätzliche Mittel in die berufliche Weiterbildung fließen. Im Geschäftsbericht der BA zum 4. Quartal 2008 liest sich das so:

“Für die Jahre 2009 und 2010 sollen zusätzliche Mittel für Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden, insbesondere für Arbeitnehmer über 25 Jahren, die über keinen Berufsabschluss verfügen, für Jugendliche, die schon lange vergeblich eine Lehrstelle suchen und für den Ausbau von Betreuung und Pflege. In den beiden Jahren soll der Bund für die Träger der Grundsicherung für Arbeitsuchende 1,2 Mrd. EUR und die Bundesagentur für Arbeit 770 Mio. EUR zusätzlich bereitstellen.

Zur Qualifizierung von Beschäftigten soll das Sonderprogramm zur Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen (WeGebAU) geöffnet und 2009 und 2010 um 200 Mio. EUR aufgestockt werden.

Mittel des Europäischen Sozialfonds sollen in den Jahren 2009 und 2010 um insgesamt 200 Mio. EUR aufgestockt und für die Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen während Kurzarbeit sowie zur Förderung von Projekten zur Beratung von Unternehmen zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden.”

2008 nahmen durchschnittlich 142.376 Erwerbslose an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung teil. Das waren gut 15 % mehr als 2007. Die Ausgaben der BA im Bereich des SGB III stiegen von 493 Millionen Euro 2007 auf 668 Millionen Euro 2008.

Mit der Verabschiedung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes im Bundestag am 22. Januar ist der Mindestlohn in der Aus- und Weiterbildung im Bereich des Zweiten oder Dritten Sozialgesetzbuchs auf den Weg gebracht worden. Stimmt der Bundesrat im Februar zu, dann müsste die BA die Einhaltung von Mindestlöhnen ab dem Frühsommer in ihren Ausschreibungen verpflichtend vorschreiben. Damit wäre dem allgemeinen Lohndumping und damit dem ruinösen Preiswettbewerb in diesem Bereich der Weiterbildung ein klarer Riegel vorgeschoben.

Die allgemeine Rezession könnte sich, so merkwürdig das klingt, als Chance für die Weiterbildung entpuppen.

Weitere Links:
1. Notstand Weiterbildung – Nachhaltige Strukturpolitik statt Absichtserklärungen
2. Betriebliche Weiterbildung – 2008 investierten die Unternehmen 27 Milliarden Euro in die Weiterbildung
3. Beschaeftigungsfähigkeit oder Maximierung von Beschäftigungsoptionen?

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