Über den Umgang mit Fehlern

4. February 2009 | Von Sigrid Hauer | Kategorie: Best Practice, Coaching, Lebenslanges lernen, News, Weiterbildung

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so – Sie sehen andere Menschen in Unternehmen, bemerken deren beruflichen Erfolg und Ihre Position im Unternehmen. Dann reflektieren Sie Ihre eigene Situation und fragen Sie sich, welche Fehler Sie gemacht haben.

Doch so paradox das klingt, der Weg zum Erfolg ist gepflastert mit den Fehlern, die wir machen.

Der legendäre amerikanische Unternehmer Andrew Carnegie hatte einen Manager neu eingestellt, der eine falsche Entscheidung traf, die zu einem Verlust von einer Million Dollar führte. Carnegie ließ den Manager zu sich kommen. Dieser nahm verlegen auf der vordersten Stuhlkante Platz und bemerkte kleinlaut: “Sie werden mich jetzt bestimmt feuern.” Doch Andrew Carnegie erwiderte: “Wie kommen Sie denn darauf? Ich habe gerade eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert! Warum sollte ich Sie gerade jetzt gehen lassen?”

Wie gehen Sie mit den (vermeintlichen) Fehlern um, die Ihnen unterlaufen – Ihnen selbst oder mit und in ihrem Team? Sind diese Fehler Hindernisse auf dem Weg zur Vollkommenheit oder sind es Gelegenheiten zu Lernen und sich Weiterzuentwickeln? Sind es gar Meilensteine auf dem Weg zum Erfolg?

In unserer dynamischen Welt sind die Kosten von Fehlern meistens sehr hoch. Aus dem Grund tun sich Unternehmen und die Verantwortlichen im Unternehmen so schwer damit, Fehler zu verzeihen und Menschen, die Fehler gemacht haben, weiterhin zu akzeptieren. In vielen Fällen ist das Bekenntnis zu Fehlertoleranz nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, das heftig auf die Probe gestellt wird, wenn es eingefordert wird. Und meistens wundern sich dann genau diese Unternehmen und Führungskräfte, die stets die fehlerfreien Lösungen fordern, warum sie so wenig herausragende Lösungen von Ihren Mitarbeitern erhalten. Der Grund ist einfach – weil sich alle stets auf der sicheren Seite bewegen, um ja keine Fehler zu machen.

Wir alle wissen, das die Märkte, in denen wir uns bewegen, im Fluss sind – ebenso wie unsere Lebensplanungen und die Unternehmen, in denen wir uns bewegen. Können und Wissen, die Grundelemente unseres Arbeitslebens und unseres Erfolges, sind etwas, das kontinuierlich weiterentwickelt werden will, damit wir auf die stetigen Veränderungen um uns herum auch reagieren können. Und mehr als nur reagieren – es ist die Basis, um unserer Leben aktiv in diesem unruhigen Umfeld gestalten zu können.

Der Mut, das notwendige Risiko anzunehmen, das dieses Umfeld von Mitarbeitern fordert, muss in Unternehmen durch eine klare und offene Führungskultur unterstützt werden. Führungskräfte müssen verstehen und akzeptieren, dass Innovation und Veränderung nur möglich sind, wenn Risiken, Experimente und eben Fehler im Unternehmen zulässig sind. Für Führungskräfte ist es eine Herausforderung, Mitarbeiter und Teams so zu unterstützen, dass sie trotz enger Märkte und globaler Krisen ihren Spielraum nutzen und notwendige Veränderungen initiieren. Das wird nur funktionieren, wenn sich Team im Unternehmen sicher fühlen, diese Veränderungen auch zu wagen.

Aus dem Grund ist es wichtig, nicht nur Fehler als Gelegenheit zum Lernen und zur Weiterentwicklung anzuerkennen, sondern auch eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Risiko und manchmal unvermeidbare Fehler als Teil der Lernenden Organisation betrachtet wird – und auch als solche willkommen geheißen werden. Das kann auch heißen, dass man persönliche Karriere-Interessen den Unternehmensinteressen unterordnet. Genauso kann es aber den Unterschied bedeuten zwischen Durchschnitt und Erfolg.

Coaching Fragen zur Ihrer Fehlerkultur:

  1. Wie bin ich in den letzten 6 Monaten mit Fehlern umgegangen? Habe ich sie als Chancen zum Lernen genutzt? Wenn nicht, was hätte ich tun können?
  2. Wie hat sich Ihr Image oder das Image Ihres Teams aufgrund eines Fehlers verändert? Welche Auswirkung hat diese Veränderung des Image auf die Qualität Ihrer Arbeit oder der Ihres Teams? Hätten Sie diesen Effekt auf positive Weise beeinflussen können?
  3. Betrachten sie aktuelle Projekte, an denen Sie beteiligt sind: Sind darunter Projekte, die sich nicht so erfolgreich entwickeln, wie sie es erwartet hatten? Wenn ja, können Sie diesen Projekten Lernchancen geben, um sie auf Erfolgskurs zu bringen?

Merke: Es ist keine Schande Fehler zu machen – es ist allerdings eine, sich zu weigern, daraus zu lernen.

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