Baden-Württemberg: Die Hauptschule abschaffen?
4. February 2009 | Von Achim Broß | Kategorie: Berufsbildung, SchulenDas Thema ist nicht neu: Seit Jahren wird darüber diskutiert, welche Zukunft das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland hat. Während die Hauptschule vor wenigen Jahrzehnten noch der Normalfall des deutschen Bildungswesens war, geht heute die Mehrheit der deutschen Schüler auf das Gymnasium. Die Folge: eine zunehmende Stigmatisierung der Hauptschule und ihrer Schüler.
Als Ausweg aus der Krise erproben einige Bundesländer nun Gesamtschul-Modellen. Baden-Württemberg hingegen plant einen anderen Weg zu gehen. So soll nach dem Willen der Landesregierung die sogenannte Werkrealschule ab dem Schuljahr 2010/11 die bisherige Hauptschule ersetzen. An den Werkrealschulen sollen die Schüler sowohl einen Hauptschulabschluss nach neun Schuljahren als auch die mittlere Reife nach zehn Schuljahren erwerben können.
Das Kalkül dabei: Ein Ende der Stigmatisierung durch den neuen Namen und der Anreiz für die Schüler, vielleicht doch die mittlere Reife zu schaffen. So sollen die zukünftigen Werkrealschüler in doppelter Hinsicht gefordert und gefördert werden. Eine Hauptschulempfehlung wird es für die Viertklässler dann nicht mehr geben. Stattdessen werden Empfehlungen für die Werkrealschule, für die Realschle und das Gymnasium ausgestellt.
Doch keine Reform ohne Kritik: Gerade die geplante Umbenennung lässt Vertreter des Verbandes Bildung und Erziehung von einer „babylonischen Sprachverwirrung“ sprechen. Auch die baden-württembergischen Grünen kritisieren den „Etikettenschwindel“ der Landesregierung. Darüber hinaus dürfte in den Kommunen auch die Frage für Zündstoff sorgen, ob alle bisherigen Hauptschulen beibehalten werden oder ob es Schließungen geben wird.
Das mag man nun beurteilen wie man will, eines ist jedoch klar: einen Ausstieg aus dem gegliederten Schulsystem stellt die Reform nicht dar.