Universität im Wandel
23. July 2008 | Von Achim Broß | Kategorie: HochschulenDie deutschen Universitäten befinden sich in einem Wandel. Einem Wandel, der rasanter nicht sein könnte. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Umsetzung des „Bologna-Prozesses“ sowie die „Exzellenzinitiative“, die gemeinsam von Bund und Ländern ausgerufen wurde.
Der Bologna-Prozess ist dafür verantwortlich, dass sich deutsche Absolventen zukünftig nicht mehr mit dem Zusatz „Dipl.“ schmücken werden. Stattdessen werden sie den Zusatz „Master“ tragen. Dank Bologna wird es zukünftig auch möglich sein, bereits nach 3 Jahren einen Hochschulabschluss zu haben. Diese Absolventen dürfen sich dann „Bachelor“ nennen. Unumstritten war die Einführung solcher gestufter Studiengänge im (Langzeit-)Studienland Deutschland jedenfalls nicht: ist der einzige Zweck des Studiums, möglichst schnell für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen?
Wie dem auch sei: auf den deutschen Universitäts-Fluren weht ein neuer, frischer, wenngleich rauerer Wind. Eine weitere Triebkraft im Wandelprozess der deutschen Hochschullandschaften ist die Exzellenzinitiative. Dieser Hochschulwettbewerb, der im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, die deutschen Hochschulen fit für den internationalen Vergleich zu machen. In der breiten Öffentlichkeit wurde das Verfahren insbesondere unter dem Schlagwort „Eliteunis“ bekannt – ein Titel, mit dem sich nun einige wenige ausgewählte Universitäten schmücken dürfen.
Das Uni-Casting hat jedenfalls dazu geführt, dass sich die Hochschulen genau überlegen mussten, in welchen Fachbereichen sie Chancen auf einen Sieg und auf die damit verbundenen Fördermittel haben könnten. Dieser Mechanismus hat gleichzeitig zu hochschulinternen Einschnitten geführt: um den einen Fachbereich ausbauen und siegfähig machen zu können, mussten andere Fachbereiche finanzielle wie personelle Abstriche in Kauf nehmen. Was also für manch Professor ein unverhoffter finanzieller Segen war, entpuppte sich für all diejenigen als mittelschweres Desaster, die sich im Profilierungs-Kampf um Rankingplatzierungen und Forschungs-PR kein Gehör verschaffen konnten.
Neben der Kritik der Vetreter der „Orchideenfächer“ am Auswahlverfahren sparte auch so mancher Bildungspolitiker nicht mit deutlichen Worten in Richtung Jury, die letztlich die Entscheidung über Wohl und Wehe der Universitäten im Exzellenzwettbewerb getroffen hatte. Es könne nicht sein, so ein viel gehörter Vorwurf, dass keine der Ost-Unis das Elite-Siegel erhalten habe. Für zukünftige Runden wünscht sich die Politik deshalb mehr Mitspracherechte.
Neben der Finanzierung durch die Politik verlangen zukünftig die Universitäten in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Saarland, Sachsen sowie Hessen (bald nicht mehr – der neue Landtag hat die Studiengebühren gerade wieder abgeschafft) und Nordrhein-Westfalen (die Entscheidung liegt bei den einzelnen Universitäten) seit 2006 Studiengebühren. Für die Zukunft werden sich die wichtigen Fragen im Universitätsbereich also insbesondere um zwei Fragen drehen: Wird die öffentliche Hand ihr finanzielles Engagement trotz Studiengebühren aufrecht erhalten? Und darüber hinaus: Wird es weitere Elite-Initiativen geben? Die bisher ausgelobten Gelder sind jedenfalls bewilligt bis 2011.
[...] die mit Vereinfachungen arbeiten und sich auch mit der Zeit wandeln können. Gerade im sich wandelnden deutschen Hochschulsystem scheinen die deutschen Bildungsanstalten zunehmend nach Elite zu streben. Und im benachbarten [...]