Bildung wird zur Chefsache

27. June 2008 | Von Anya Rutsche | Kategorie: News

Nur mit guter Bildung bleibe das Land Gewinner der Globalisierung, so Angela Merkel bei einer Rede zum 60.Geburtstag der sozialen Marktwirtschaft. Bildung sei der Schlüssel zur Integration.

Anlass zu schweren Sorgen liefern Pisastudien und andere internationale Schulvergleiche bei denen aus deutscher Sicht jedes Jahr aufs Neue schlecht abgeschnitten wird. Schüler anderer Nationen wissen mehr und können mehr nach ihren Schulbesuchen. Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle, davon ist Merkel überzeugt und nimmt diese Herausforderung mit einer Bildungsreise und einem Bildungsgipfel selbst in die Hand. Ihre konkrete Forderung ist Bildung! “Wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden”, so Merkel. Hierfür nannte sie u.a. folgende Bedingungen:

* Jeder Mensch muss seine Chancen nutzen können, unabhängig vom sozialen Status der Eltern.

* Migranten müssen in unsere Gesellschaft integriert werden. Immerhin stammen in den Großstädten bereits 40 bis 50 Prozent der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

* Lebenslanges Lernen – von der Kindheit bis ins Alter – um den Anforderungen der Globalisierung gerecht zu werden.

* Mehr Mitverantwortung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Unternehmen übertragen.

Merkels Forderungen haben jedoch alle ein Hauptziel: “mehr Geld für Bildung” – doch man sollte sich zuallererst mit Strukturen und vor allem Ideen auseinander setzen, bevor man Geld in “irgendetwas” investiert.

Fraglich ist zum Beispiel, ob Lehrer überhaupt in der Lage sind, den Kindern die richtige Förderung geben zu können. In der Lehrerausbildung fehlen grundlegende Dinge. Wie soll zum Beispiel ein Student, der sein Studium mit mathematischen Kurvendiskussionen, Englischer Literaturwissenschaft und Statistikvorlesungen vergeudet, einem Kind mit Migrationshintergrund und mangelnden Deutschkenntnissen den Anschluss an eine Klasse mit Kindern ermöglichen, die zum Teil zu Hause intensiv gefördert werden und einfach meilenweit vorauseilen? Deshalb sollte die Regierung in erster Distanz an eine Optimierung in der Lehrerbildung arbeiten.

Desweitern ist fraglich, ob Merkels geplante “Bildungsreise” nicht eher eine Wahlkampfreise wird. Anstatt sich die schlechte Situation in Kindergärten und Senioren-Bildungseinrichtungen anzuschauen, sollte die Regierung lieber weiter daran arbeiten, unsere Weiterbildungsmöglichkeiten in Deutschland zu verbessern und damit auch gleichzeitig die Studiengebühren wieder abzuschaffen. Das schafft man aber nicht, wenn man im Land herum tingelt.

Fakt ist, dass bei Themen wie Bildung immer nur kurzzeitig Aktionismus herrscht, wenn die Regierung zum Beispiel wie vor kurzem der Bildungsbericht vorgelegt wird, welcher aussagt, dass jeder vierte Jugendliche nicht ausbildungsfähig ist. Bildung sollte jedoch ein fortlaufendes Thema für unsere Staatsmacht sein.

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