Weiterbildung mit Podcasts, Wikis und Co.
14. May 2008 | Von Doreen Winzer | Kategorie: Top-ThemaWissen ist Macht – und macht berufliche als auch persönliche Weiterbildung unumgänglich. Ständiger Terminstress und die steigende Forderung nach Mobilität im Beruf stehen dem jedoch häufig entgegen, denn die Zeit ist knapp. Der Besuch klassischer Weiterbildungsseminare wird damit fast unmöglich. Aber ist das in Zukunft vielleicht auch gar nicht mehr nötig? Eine Lösung könnte hier das E-Learning darstellen.
Zunehmender Digitalisierung und Vernetzung von Rechnern weltweit ist es heute zu verdanken, dass der Zugang zu Daten einfach und in ungeahnter Größe möglich ist. Dies eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten und Wege der Wissensvermittlung, welche gern mit dem neumodischen Wort E-Learning bezeichnet werden. Was genau dieser Begriff beinhaltet, beschreibt Michael Kerres, Professor für Mediendidaktik an der Universität Duisburg-Essen. Bereits 1995 führte dieser erste internet-basierte Kurse durch und gehört damit zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Er beschreibt electronic learning als Form des Lernens, die mit Hilfe digitaler Medien, sei es für Präsentationen, den Zugang zu Lernmaterialien oder zur Kommunikation untereinander stattfindet. Oft werden im Zusammenhang damit auch Synonyme wie Online-Lernen, Computer Based Training, Distance Learning oder multimediales Lernen verwendet.
Allgemein werden zwei Varianten des E-Learning unterschieden – das voll-virtuelle und das semi-virutelle Seminar. Bei voll-virtuellen Seminaren erfolgt die Abwicklung der Weiterbildung komplett online per Mail und Chat, wodurch orts- und zeitunabhängiges Lernen möglich wird. Im Ergebnis lassen sich dabei Job und Weiterbildung besser miteinander vereinen. Semi-virtuelle Seminare (blended learning) hingegen verknüpfen Online- und Präsenzlehre miteinander. Dadurch wird zumindest eine zeitweilige Abwesenheit vom Arbeitsplatz notwendig. Zurzeit wird der Weiterbildungsmarkt jedoch noch von klassischen Präsenzseminaren (90%) dominiert, weit vor E-Learning oder Blended-Learning. Neue Lernmethoden werden aber auch hier zunehmend integriert. Unterhaltungsformen wie podcast, weblog und wiki bieten dafür sehr viel Potential und rücken das eigenverantwortliche Lernen in den Mittelpunkt.
Vor allem Podcasts erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Diese Audiodateien können über das Internet einzeln oder im Abonnement herunter geladen werden. Der Vorteil dieser Technik liegt klar auf der Hand. Audiodaten könne mittels mp3-Player überall mit hingenommen werden und sowohl bei der Fahrt zur Arbeit als auch direkt am Arbeitsplatz angehört werden. Bedeutet das also, dass Weiterbildung allein durch Zuhören und ganz nebenbei stattfindet?
Leider ist noch nicht nachgewiesen, wie groß der Beitrag von Podcasts zum erlernten Wissen wirklich ist. Der Lerneffekt allein durch Zuhören ist nur schwer zu kontrollieren. In Kombination mit anderen Lernmethoden kann diese Form jedoch ein wertvolles Instrument sein. Sei es, um sich einen Überblick oder einen ersten Eindruck zu einem Thema zu verschaffen oder Erlerntes aus Seminaren noch einmal aufzufrischen. Daher sind podcasts eher als Zusatzservice denn als direkte Lernmethode zu werten.
Ebenso erfolgreich sind Weblogs. Die ersten ihrer Art gibt es schon seit Mitte der 90er Jahre und seit gut 4 Jahren werden sie auch im geschäftlichen Bereich mehr und mehr zum Einsatz gebracht. Weblogs besitzen die Eigenschaft den Kommunikationsfluss intern wie extern enorm zu steigern. Möglich wird dies durch die Funktion das Geschriebene zeitnah zu kommentieren und dadurch wertvolles Feedback zu erhalten. Wie die Fachzeitschrift Wissensmanagement (02/2008) informiert, kommen jeden Tag 175.000 neue Blogs, 1,6 Millionen neue Beiträge und pro Sekunde 18 Updates hinzu. Das erschwert natürlich die Suche nach bestimmten Inhalten. Dank so genannter Blog-Tools werden neue Bloginhalte in Sekundenschnelle in Verzeichnissen gelistet. Mittels einer Trackback-Funktion werden Blogger zudem benachrichtigt, wenn sich neue Texte inhaltlich auf ihren Eintrag beziehen. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder mit den aktuellsten News zu einem bestimmten Thema versorgt wird.
Nach ähnlichem Prinzip, nur mit anderer Technik, funktionieren Wikis. Der Name ist dabei Programm (hawaianisch „wikiwiki“ bedeutet übersetzt „sich beeilen“). Oft unstrukturiert und netzwerkartig, fördern Wikis die „schnelle Projektarbeit“. Möglich wird dies dadurch, dass jeder Besucher der Webseite Inhalte ergänzen, ändern, aber auch löschen kann. Was zählt, ist dabei das Ergebnis und dieses soll Interessierte über den aktuellsten Stand zu einem Thema informieren. Wikis eignen sich daher hervorragend zur Planung und Dokumentation von Wissen und können so alternativ oder ergänzend zu Lernplattformen oder Diskussionsforen genutzt werden – mit Potential für mehr.
Ob man nun die Wissensvermittlung im klassischen Sinne beibehält oder die Anwesenheitspflicht lieber durch neue Methoden ersetzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Eines steht jedoch fest: Die neuen Techniken sparen Zeit und sind auf der anderen Seite zudem sehr unterhaltsam. Den persönlichen Kontakt zu Menschen können sie jedoch nicht ersetzen.