Die 18-Loch-Strategie
4. December 2007 | Von Anya Rutsche | Kategorie: Rezensionvon Dr. Werner Fuchs
Golfer- oder Managementbuch? Oder beides?
Der Autor ist mir bereits mit seinem Buch “Die Columbo-Strategie” ans Herz gewachsen, bei dem ich eigentlich nur die Unart der Copyright-Manie kritisierte. Der große Vorteil, dass die meisten Menschen den schrägen Detektiv kennen, ist beim Golfen nicht gegeben. Meine eigene Golf-Erfahrung beschränkt sich auf eine Woche in Spanien und die aufmunternden Worte des Trainers, ich sei ein Naturtalent. Was bis heute unbewiesen ist und vielleicht zu den netten Flunkereien eines Meisters gehört. Nach der Lektüre des neuen Buches von Joachim Skambraks wurde der Wunsch wieder aktuell, meine ultrakurze Golferkarriere fortzusetzen.
Worum geht es nun in diesem empfehlenswerten Buch? Formal macht Skambraks nichts anderes, als trockenes Wissen in eine sinnliche Analogie zu betten und damit den Blick auf eigene Verhaltensweisen zu erweitern. Selbsterkenntnis und Selbstmanagement können ungleich wirkungsvoller verinnerlicht werden, wenn sie mit einer Tätigkeit verbunden sind. Und das ist der Ansatz von Skambraks. Das heißt aber auch, dass Nicht-Golfer nur sehr beschränkt von diesem Buch profitieren können. Ich versteige mich sogar zur Behauptung, dass sich Skambraks Ausführungen ohne die praktische Ausübung des Golfspiels kaum von anderen Büchern ähnlicher Zielrichtung abheben.
Indem der begeisterte Golfer und Management-Trainer jeden Schritt dieses Sports auf allgemein menschliches Verhalten bezieht, hat der Leser einen doppelten Gewinn: er wird mit größter Wahrscheinlichkeit sein Handicap verbessern und zugleich sein Alltagsverhalten ändern. Das ist doch großartig. Die zahlreichen Checklisten befriedigen auch die Erwartungen analytisch denkender Menschen, haben aber wohl kaum den gleichen Effekt wie die Übungen, Grafiken und Analogien. Zu den Zielen dieses Buches gehört zweifelsohne die Wiederentdeckung der eigenen Intuition. Das wäre allerdings ohne jeglichen Verlust möglich gewesen, wenn der Autor auf die Erklärungen von linker und rechter Hirnhälfte, die Ausführungen über Körper und Geist verzichtet hätte. Denn erstens entsprechen sie nicht mehr dem neusten Stand der Neurologie, und zweitens stammen sie aus einem Weltbild, das mit dem Buch gerade überwunden werden soll. Gänzlich falsch werden solche Bezüge des Autors, wenn er behauptet, dass unser Unbewusstes “genau das tut, was wir ihm sagen.” Hier ist eine Vorstellung des menschlichen Gehirns am Werk, die nicht mehr den naturwissenschaftlichen Realitäten entspricht. “Wenn wir es wollen, arbeitet der unbewusste Teil unseres Gehirns für die Erfüllung unserer Ziele und Wünsche”. Hier verfällt der Autor dem alten Machbarkeitswahn und positivem Denken der Vulgärpsychologie. Schade, dass der gute Ansatz mit solch überholten Bildern etwas von seiner Brillanz verliert.
Trotz dieses wissenschaftlichen Ausrutschers gebe ich dem Buch aus voller Überzeugung die Höchstnote Denn wer es liest, die meisten Übungen macht und so einen anderen Zugang zu sich selbst findet, wird reich belohnt werden. Dass ihn die Lektüre nicht zugleich auf den neusten Stand der Hirnforschung bringt, finde ich nicht so schlimm. Schließlich gibt es dafür andere Bücher.