Kwatschikowski und die Flitzis
5. June 2007 | Von Miriam Godau | Kategorie: Best Practice
“Kinderlärm stört mich nicht“, sagt Martin Riemer und ihm können alle glauben was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Martin Riemer arbeitet nämlich mit Grundschulkindern. Es geht um Medienkompetenz, Redaktion, Geschichtenschreiben, soziales Verhalten, Teamwork, Rezensionen, Recherchearbeiten, Präsentationstechniken und Gesprächsführung. Schließlich sollen die Kinder ihre Zukunft lebenswert gestalten. Es gilt Talente früh zu entdecken und zu fördern. Wessen Aufgabe ist das Fahnden nach Talenten eigentlich?
Multi-Media-Konzeptioner Martin Riemer suchte sich den Namen „Kwatschikowski“ aus und stellte gemeinsam mit einer Berliner zweiten Klasse, den „Flitzis“, ein Weblog auf die Beine. “Hausburg Flitzpiepen” heißt das Weblog. Das Projekt mit den Zweitklässlern der Europaschule macht vor, wie Talente effektiv und rechtzeitig gefördert werden können.
Die Zweitklässler haben sechs Computer in ihrem Klassenzimmer stehen und die Kinder haben die Option zu spielen oder zu bloggen. Sie ziehen das Bloggen den PC-Spielen vor. Das Blog ist ein freiwilliges Projekt, so dass Talente gefördert und nicht beschworen werden.
Im November 2006 startete Kwatschikowski seine Arbeit. Heute zählt das Hausburg Flitzpiepen-Blog 400 Kommentare! Kwatschikowski drückt seine Freude über diese hohe Zahl an Kommentaren in einem selbst komponierten, gesungenen uund mit Gitarrenbegleitung gespielten Song aus, den er für seine Flitzis am 2. Mai gebloggt hat.

Die Schule ist eine Inhaltsschmiede. Die Flitzis sind ganz normale Schüler und besuchen Theatervorführungen. Einzige Besonderheit. Sie bloggen anschließend darüber und schreiben en passant ihre erste Theaterkritik.
Asil ist eine ganz normales Mädchen und Scorpi ein ganz normaler Junge. Beide haben während Kwatschikowskis Projekt ihre große Leidenschaft entdeckt. „Asil schreibt wie besessen, während Scorpi für die ironischen Kommentare zuständig ist. Die Achtjährigen wissen schon früh wo ihre Talente liegen“, erläutert Kwatschikowski seine Beobachtungen.
Das Blog gibt der Klasse ein Gesicht. Ein harter Kern gestaltet das Blog mit Beiträgen und eine große Gruppe kommentiert. Die Kinder bloggen nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause. Eltern können über das Blog mit den Schülern kommunizieren und sich ein Bild davon machen wie ihre Kinder arbeiten und leben.
Wie alles begann?
Kwatschikowski hat es geschafft die Elternschaft, die Lehrer und Erzieher der Grundschule davon zu überzeugen, dass Medienkompetenz spätestens vor der 3. Klasse gefördert werden muss. Dafür müssen Inhalte her! Medienkompetenz sinnvoll fördern, heißt also die Aufgabe und Weblog, heißt die Lösung.
Die Schulklasse bekommt ein Gesicht
Anfangs schreiben die Grundschulblogger ihre Texte auf Papier, besprechen diese und tippen sie dann ein. Bilder werden gemalt und eingescant, dann hochgeladen in das Blog. Tafelbilder werden abfotografiert und im Deutschunterricht wird schon mal ein Text für das Blog vorbereitet. Mehr und mehr fließt das Blog in den Unterricht ein. Großen Zeitaufwand hatten Kwatschikowski und die Flitzis beim Ausdenken und Festlegen der Spitznamen. Diese sind aus Sicherheitsgründen nötig. Das Weblog ist nicht frei für jedermann zugänglich.
Die Grundschulblogger schreiben nicht nur für ihre Klassenkameraden, sondern auch für Oma und Opa und Mama und Papa. Sie wollen das was sie machen der eigenen Familie zeigen. Eltern, die sonst ihre Kinder nur nachts und am Wochenende sehen, erfahren plötzlich wie die Grundschüler leben und arbeiten und vor allem was sie beschäftigt. Die Schule ist keine black box mehr. Themen werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.
Ein Blog-Projekt sollte idealer Weise in der zweiten Klasse beginnen. Denn ab der 4. Klasse stehen bei den Schülern andere Interessen im Vordergrund. Kinder müssen vor der 4. Klasse etwas finden was ihnen spaß macht. Dann bleiben sie ihrem Hobby in der Regel treu. Denn sie haben ihren Platz im Netz der cool und lustig und interessant ist.
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Wenn man über etwas schreibt, dann möchte der/die LeserIn auch die Quelle wissen. Wieso gibt es keinen Link?
Hallo Clever-Radio,
wer den Text liest, erfährt, dass es sich um einen besonderen Blog handelt: dieser richtet sich an eine bestimmte zweite Klasse mit Lehrern, Erziehern, Eltern und natürlich Kwatschikowski.
Den Link zum Blog habe ich -wie im drittletzten Absatz erwähnt- bewusst nicht kommuniziert.
[...] zweiten Teil des Workshops sprach Martin Riemer über Blogs an Grundschulen. Er ruft Blogger dazu auf, an die (Grund-)Schulen zu gehen und Lehrer zu unterstützen. Denn diese [...]
[...] sein, aber die Macher des Kilroy-Blog waren da (und begeistert). Und bereits im Sommer 2007 hat das edupaper-Blog ausführlich über das Schulblog berichtet – und darin u.a. auch erwähnt, dass die Schüler/innen [...]