Deutsche haben lieber Stress mit dem Chef als mit Kindern
13. October 2005 | Von Miriam Godau | Kategorie: CoachingDer einst natürlichste Wunsch von Männern und Frauen ist verschwunden. Sie wollen sich nicht mehr reproduzieren. Über 30 Prozent der Männer und Frauen des Jahrgangs 1965 bleiben zeitlebens kinderlos. Sie ackern für ihre Karriere und verzichten auf den Nachwuchs. Was sie nicht wissen ist, dass der Verzicht die gewünschten Früchte auf lange Sicht nicht bringt. Mit dem Humankapital geht der Wohlstand flöten.
Ungeschönt serviert Professor Herwig Birg (Universität Bielfeld) diese Zusammenhänge in seinem Vortrag „Alternde Gesellschaft – Herausforderung für die Gesellschaft“ bei der Fachtagung des W. Bertelsmann Verlags „Perspektiven Berufsbildung“ am 12. und 13. Oktober in Bielefeld.
Der Planet altert als Ganzes. Weltweit haben die Geburtenraten um die Hälfte abgenommen. Von rund 200 Ländern auf der Erde sind nur 18 im Gleichgewicht. In den reichen Ländern haben Frauen im Schnitt eins Komma irgendetwas Kinder, in den armen Ländern sind es bis zu sieben.
Jedes zweite, heute in Deutschland geborene Mädchen hat eine Lebenserwartung von über 100 Jahren! Seit 1972 ereignen sich in Deutschland jährlich mehr Sterbefälle als Geburten. Wir befinden uns mitten in der demografischen Krise.
Mit Greisen bevölkerte deutsche Landstriche sind Realität. Die neuen Bundesländer sind schon Geisterstädte. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung ist heute 40 und bald 55 Jahre. Trotzdem gilt: So viele Kinder wie heute, wird es nie wieder geben in Deutschland.
Es fehlt der Nachwuchs mit Know-how, der in Zukunft für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze sorgt. Es drohen Tristesse, wirtschaftlicher Verfall, Wohlstandsverlust und massige Arbeitslosigkeit. Das geistige Kapital schrumpft. Diese Entwicklung ist unaufhaltsam und wenig im Bewusstsein der Menschen verankert. Viele unterliegen der Illusion, persönliche Karriere mit Kinderlosigkeit machen zu können. Pustekuchen.
Ohne unsere Zuwandererkinder wäre Deutschland noch kinderloser als es ohnehin schon ist. Offensichtlich kein Grund für Dankbarkeit und Freude. Die kostbaren Kinder werden nicht gefördert. Mit oder ohne Hauptschulabschluss beenden 60 Prozent der Zuwandererkinder ihren ersten Bildungsweg.
Bildung ist das Einzige was wir unseren Kindern geben können. Bildung ist ein schön debattiertes Thema. Nur sein Geld investiert Deutschland lieber woanders und Mütter haben bei der Jobvergabe weiter das Nachsehen.
Es fehlt nicht die Zahl der Köpfe, sondern die Qualität der Bildung in den Köpfen.
Mit dramatischen Formulierungen lässt sich wunderbar die ohnehin schon übermässige Angst + reichlich Neid + Abscheu schüren. Kreativität, flexibles Denken, mutiges Handeln wird durch derartige Problembeschreibungen nicht angeregt. Leider.
Wie schön wäre es, wenn mit dem gleichen Eifer, der für Problembeschreibungen aufgebracht wird, Lösungsansätze, Ermunterung + Ermutigung auf den Weg gebracht würden.
Es gibt genügend Chancen unsere Welt lebenswert + liebenswert zu gestalten, wenn wir die PROBLEM-BRETTER vor den Köpfen + Herzen entfernen.
Gemeinsam Ideen entwickeln: W I E G E H T E S V O R A N …
… das sind doch die W I R K – l i c h interessanten Perspektiven.